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Second life-Architektur

 

Abriss und Neubau gleichen vor allem bei Behörden, Wohnbaugenossenschaften und Projektentwicklerinnen und -entwicklern einem Reflex. Ein großer Teil des momentanen Bestands an sozialen Mietwohnungen ist potenzielles Opfer dieser Abrisswut. Privatpersonen haben in der Regel nicht die Mittel, ihr Haus abzureißen und stattdessen etwas anderes zu bauen. Gerade Privatpersonen bevorzugen daher Umbauten und Transformationen, angefangen von einem neuen Badezimmer oder einer Dachgaupe bis zu kompletten Aus- und Aufbauten für zusätzliche sonnige Wohnräume oder ganze Dach- oder Kellerstockwerke. In einer auf Neubau ausgerichteten Kultur können institutionelle Parteien von dieser privaten Praxis der Renovierung und Wiederverwendung lernen. Aus ökologischer, ökonomischer und demografischer Sicht stellen derartige Folgenutzungen eine außerordentlich vernünftige Strategie dar.

Vor allem der traditionelle, öffentlich finanzierte Wohnbau in Europa, und hier vor allem der nach 1945, ist immer sehr produktionsorientiert gewesen. Große, serielle und standardisierte Wohnbauten wurden fast überall benötigt, um die Wohnungsnot einer schnell wachsenden Bevölkerung zu lindern. In ganz Europa erfährt der Wohnbau im Laufe seiner Errichtung durch ein Regelwerk an Verordnungen und wirtschaftlichen Überlegungen eine Degradierung zum reinen Nutzobjekt, auch wenn dieser ursprünglich mit Idealismus und guten Absichten begonnen wurde. Jegliche Form von Luxus, Übermaß oder Nachhaltigkeit wird einer optimalen Ausnutzung des beschränkten Budgetrahmens geopfert. Sobald der Wohlstand es zulässt, wird die vorhergehende Generation an Wohnungen als obsolet oder veraltet erachtet und ausgetauscht, und die Karawane der Wohnbau- Errichter zieht weiter zum nächsten Projekt, das dann wiederum das momentan Beste darstellt, das mit den begrenzten Mitteln herstellbar ist...

 

Hans Ibelings

 

Volltext siehe Katalog

 

 

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