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Moriyama House
Tokio, Japan 2005

 

Die Vision vom „Haus als Stadt“, die Ausbildung von Urbanität im Inneren eines Gebäudes, verlangt üblicherweise nach großzügigen Dimensionen. Nicht so beim Moriyama Haus, das dieses Konzept mit der japanischen Tradition der Minimalwohnung verbindet. Zehn Kuben mit verschiedenen Grundflächen und Höhen sind locker auf einer Fläche verteilt, die nicht viel größer ist als die Parzellen der dichten Einfamilienhausstruktur der Umgebung. Die mit ihren sechs Zentimetern selbst für japanische Verhältnisse extrem dünnen tragenden Wände sind mit Stahlplatten bewehrt und erlauben so große Öffnungen. Dazwischen breitet sich eine Landschaft mit Wegen, Plätzen und Nischen aus, die auf allen Seiten ohne Barriere in die öffentlichen Gassen des Viertels fließt. In den Boxen finden fünf kompakte, zwischen 16–30 m2 kleine, zum Teil gestapelte Mietwohnungen Platz, jede mit eigenem Garten, plus die dislozierte Wohnung des Hausherrn, der seine verstreuten Funktionssolitäre, wie Bad und Küche, nur über Außenräume erreicht. Landschaft, Stadt und Haus werden ununterscheidbar.

 

Angelika Fitz

 

Auflösung der flächendeckenden Bebauung


Architektinnen/Architekten:
Ryue Nishizawa

 

 

 

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Foto: © Herr Mr. Moriyama, 2008

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Moriyama-Sans Leben in seinem Haus Tokio, November 2008

 

Wir befinden uns in einem ruhigen Vorort von Tokio, abseits des bunten Treibens der Großstadt. Eine typisches, verdichtetes Vorortensemble, als ob die Zeit stillstände. Mittendrin – weiße Quader, in verschiedensten Größen, fast beliebig und wild durcheinander in die Landschaft gesetzt. Rundum ist alles so wie immer, den Menschen wohl bekannt. Da sticht dieses Sammelsurium von Blöcken erst so richtig heraus. Im Gegensatz dazu stehen die Gebäude ringsum, denen man die Zeichen der Zeit längst ansieht, denen das Leben seinen Abdruck tief eingeprägt hat. Die weiße Quaderstruktur dagegen scheint auf ihre eigene Idee reduziert. Bei genauer Betrachtung handelt es sich aber um das Gegenteil – einen Wohnkomplex, der die Lebenskraft seiner Bewohnerinnen und Bewohner erst an die Oberfläche zu bringen scheint. Und in den Quadern sitzen überdimensional große und scheinbar ohne genaues Konzept eingebaute Fensteröffnungen.

Das „Moriyama House“ ist ein Wohnkomplex, bestehend aus einer Ansammlung von zehn Quadern verschiedener Größe inmitten einer rechteckigen Grundfläche. Manche sind ebenerdig, manche zweistöckig, zwei dreistöckig und einige wiederum haben ein Kellergeschoss. Jede einzelne dieser Boxen, jedes einzelne Stockwerk besteht aus nur einem Raum, unterbrochen höchstens durch Nass- und Stauräume. Zuerst scheinen diese „Schachteln“ wild durcheinandergeraten – auf den zweiten Blick lässt sich jedoch die Bedeutung der Gärten und Wege dazwischen erkennen. Die Relation von Gärten und Häusern ist genau durchdacht, ebenso die Öffnungen der Fenster. An zwei Seiten grenzt der Komplex an die Straße, das Grundstück selbst ist durch keine Zäune oder Hecken abgegrenzt. Interessierten bietet es also freien Zugang. Und wer dann tatsächlich hineingeht, bemerkt auch, dass er am Leben der Bewohnerinnen und Bewohner tatsächlich teilhaben kann, denn nichts bleibt verborgen.

Die riesigen Fenster jedes Raumes geben das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner preis. Da würde man wohl dicke Vorhänge oder Jalousien vermuten. Mitnichten. Die Häuser stehen einander nämlich so gegenüber, dass die Fenster sorgfältig gegeneinander versetzt sind. Egal ob man gegenüber nun die Fenster weit geöffnet hat, die Blicke kreuzen sich nicht. Deshalb nimmt hier das Leben auch mit unverhangenen Fenstern seinen Lauf. Mit dem Resultat, dass die Gärten und der Blick auf die Umgebung einen fixen Bestandteil des eigenen Lebensraumes bilden. ...

 

Souhei Imamura


Übersetzung aus dem Japanischen: Renate Leeb

 

Volltext siehe Katalog

 

 

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